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Ein Experiment gibt der Wahl die Würze

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Das Passauer Rathaus will regiert werden.  − Foto: Jäger

Von den fünf Variablen der Oberbürgermeisterwahl in Passau muss eine als unbekannte gelten: Rosemarie Weber, die OB-Kandidatin der CSU, ist die einzige, deren politische Arbeit und Ansichten nicht schon aus Jahren und Jahrzehnten im Stadtrat bekannt sind. Die Herausforderin von OB Jürgen Dupper (SPD) gehörte als einzige der fünf Bewerber nicht schon dem bestehenden, geschweige denn dem vorhergehenden Stadtrat an. Auf die anderen vier dagegen trifft beides zu – es sind alles alte Hasen der Passauer Kommunalpolitik.

Jürgen Dupper (SPD), amtierender OB seit 2008 und Stadtrat seit 24 Jahren. Karl Synek (Grüne), Aufsichtsratsvorsitzender der städtischen Wohnungsgesellschaft seit 2008 und Stadtrat seit elf Jahren. Urban Mangold (ÖDP), zweiter Bürgermeister seit 2008 und Stadtrat seit 22 Jahren. Ursula Karl-Hellwing (Passauer Liste), Stadträtin ebenfalls seit 22 Jahren. Und die CSU bringt gegen diese vier Kommunalpolitiker, wie sie erfahrener kaum sein könnten, mit Rosemarie Weber eine, die bislang überhaupt keine Politikerin war, weder im Amt noch mit Funktion oder Auftrag. Das gab es in Passau, immerhin Jahrzehnte CSU-Hochburg (mit zwei Unterbrechungen), schlicht und einfach: noch nie! So gibt das Experiment der Wahl die Würze.

Und mit wem es Rosemarie Weber da zu tun bekommt: Jürgen Dupper hatte vor sechs Jahren die Stichwahl gegen den amtierenden CSU-OB Albert Zankl im Sturmlauf gewonnen. Schon bei der regulären Wahl mit damals vier OB-Kandidaten war er mit 47 Prozent deutlich vor OB Zankl mit 38 gelegen. Bei der Stichwahl machte er daraus gar 61 gegen 39. Es war eine späte Revanche für ein ausgefallenes Duell bei der vorgehenden Wahl 2002 gewesen. Damals gewann Zankl, auch er damals schon immerhin sechs Jahre im Stadtrat, ebenfalls in der Stichwahl gegen OB Willi Schmöller (SPD), der sich um eine dritte Amtsperiode bewarb. Dupper, damals zweiter Bürgermeister, wäre für die SPD der erfolgversprechendere OB-Kandidat gewesen, doch Schmöller konnte nach zwei Perioden noch nicht abtreten. Es kam zu einem eigentümlichen Ergebnis: Schmöller, der als Erster auf der SPD-Stadtratsliste 19 400 Stimmen gesammelt hatte, verlor das OB-Amt an Zankl, der als Erster auf der CSU-Liste 19 800 Stimmen bekam – und Dupper, der von Platz zwei der SPD-Liste aus beide überholte und mit 20 800 Stimmenkönig der Stadtratswahl wurde, konnte sich dafür nichts kaufen. Das OB-Amt, das Willi Schmöller 1990 völlig überraschend dem vormaligen OB Hans Hösl abgerungen und damit eine lange CSU-Vorherrschaft beendet hatte, war wieder zurück bei der CSU. Aber eben nur bis 2008.

Ein weiterer Rückblick illustriert, dass Rosemarie Weber vor einer großen Herausforderung steht. 1996, nach sechs Jahren als OB wie jetzt Dupper, hatte Willi Schmöller es auf dem Höhepunkt seiner Beliebtheit mit Dagmar Plenk als Gegenkandidatin der CSU zu tun bekommen. Sie ging immerhin als dritte Bürgermeisterin in dieses Rennen. Doch Dagmar Plenk konnte nur 27 Prozent holen. Bei sieben OB-Kandidaten kam Schmöller schon im ersten Wahlgang auf 66 Prozent. Sechs Jahre später freilich war seine Beliebtheit zu Ende. Und weitere sechs Jahre später die von Zankl. Und nun, nochmal sechs Jahre später, bereits die von Dupper? Es wäre eine große Überraschung.

Die meiste Erfahrung als OB-Kandidat bringt ein anderer mit – Urban Mangold (ÖDP). Er tritt bereits zum dritten Mal an. Vor sechs Jahren kam er auf sehr respektable 13 Prozent. Karl Synek (Grüne) und Ursula Karl-Hellwing (PAL) sind erstmals OB-Kandidaten. Für die Grünen holte vor sechs Jahren Erika Träger drei Prozent. Die PAL hatte 2008 keinen OB-Kandidaten.

Bei den Listen für die Stadtratswahl ist die Auswahl größer als vor sechs Jahren: Damals waren es sechs, nun sind es acht. Ohne OB-Kandidaten bewerben sich FWG, Starkes Passau/FDP und Pro Passau, eine Liste plus OB-Kandidat haben CSU, SPD, Grüne, ÖDP/Aktive Passauer und PAL. 2008 bekam die CSU 16 Sitze, die SPD 12, die ÖDP 7 und FDP/PAL, Grüne und FWG je 3. − sdr

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Jürgen Dupper (SPD).

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Karl Synek (Grüne).

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Ursula Karl-Hellwing (PAL).

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Urban Mangold (ÖDP).

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Rosemarie Weber (CSU).

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